Der dänische Hersteller Velux ist seit Jahrzehnten Synonym für Dachfenster und hat sein Portfolio kontinuierlich um Ausstiegslösungen für Flachdächer sowie smarte Steuerungssysteme erweitert. Für Tischler, Zimmerer und Innenausbauer bleibt Velux eine zentrale Adresse, wenn es um die Integration von Tageslicht und Lüftung in geneigte und flache Dachkonstruktionen geht.
Kernproduktlinien: Schwing-, Klapp-Schwing- und Flachdach-Fenster
Das Velux-Sortiment im Bereich Fenster & Türen gliedert sich in drei Hauptfamilien. Die Schwingfenster der Serie GGL und GGU öffnen mittig um eine horizontale Achse und eigenen sich besonders für Wohnräume mit Kniestockhöhen ab 90 cm. Die Klapp-Schwing-Fenster der Serie GPL und GPU kombinieren Kippfunktion und vollständiges Öffnen nach außen – ideal für bodentiefe Dachausstiege oder Dachterrassen. Für flache oder leicht geneigte Dächer bietet Velux die Serie CFP an: Flachdach-Fenster mit einer Neigung von 0–15 Grad, die als feststehende Lichtkuppel oder als elektrisch zu öffnendes Element ausgeführt sind.
Alle drei Linien sind in mehreren Dämmstandards erhältlich. Die Basis-Verglasung erreicht U-Werte um 1,1 W/m²K, die Wärmeschutzverglasung (Energy & Comfort) liegt bei 1,0 W/m²K, während die Dreifach-Verglasung Energy & Comfort Plus Werte bis 0,65 W/m²K erzielt – ein Standard, der im Passivhaus mittlerweile vorausgesetzt wird.
Smart-Home-Integration und elektromechanische Ausstattung
Velux hat in den vergangenen Jahren stark in die Elektrifizierung seiner Produktpalette investiert. Die Integra-Serie umfasst elektromotorisch betriebene Fenster, Rollläden und Hitzeschutz-Markisen, die über KNX-Gateway oder WLAN-Modul in bestehende Gebäudeautomation eingebunden werden können. Besonders in Mehrfamilienhäusern und gewerblichen Dachausbauten ermöglicht die zentrale Steuerung über App oder Fernbedienung eine komfortable Lüftungsstrategie – auch in Räumen mit unzugänglichen Dachschrägen.
Die Sensorik für Regen- und Temperaturerkennung schließt Fenster bei aufkommenden Niederschlägen automatisch. In Kombination mit der KLI 313 Fernbedienung lassen sich bis zu 16 Fenster in Gruppen steuern – eine Lösung, die sowohl im Innenausbau von Loft-Wohnungen als auch in Bürogebäuden mit Holztragwerk zunehmend nachgefragt wird.
Marktposition und Wettbewerbsumfeld
Velux hält nach Branchenschätzungen einen Marktanteil von über 40 Prozent im deutschsprachigen Raum bei Dachfenstern. Wichtigste Wettbewerber sind Roto mit der Serie Designo und Schüco im Bereich Holz-Aluminium-Fenster für geneigte Dächer. Während Roto sich durch modulare Eindeckrahmen und breite Anschlusslösungen für unterschiedliche Dacheindeckungen profiliert, setzt Schüco auf Aluminiumprofile mit integrierten Entwässerungsbahnen – ein Vorteil bei komplizierten Metalldach-Details.
Velux differenziert sich durch die Breite des Zubehörs: Von innenliegenden Plissees über außenliegende Raffstores bis hin zu Kombinationen aus Rollo und Insektenschutz bietet der Hersteller ein geschlossenes System, das Monteuren Planungssicherheit gibt. Zudem ist die Ersatzteilversorgung selbst für Modelle aus den 1990er-Jahren noch gewährleistet – ein Argument bei Sanierungsprojekten im denkmalgeschützten Bestand.
Aktuelle Entwicklungen: Recycling-Anteil und U-Wert-Offensive
In jüngster Zeit hat Velux angekündigt, den Anteil recycelter Kunststoffe in den Rahmen der GGU-Serie auf mindestens 30 Prozent zu erhöhen. Parallel dazu läuft die Serieneinführung einer neuen Vierfach-Verglasung für den nordeuropäischen Markt, die U-Werte unter 0,5 W/m²K erreichen soll. Für mitteleuropäische Projekte bleibt jedoch die Dreifach-Variante der Kompromiss zwischen Dämmung, Tageslichtausbeute und Gewicht.
Im Segment Flachdach-Ausstieg hat Velux die Serie CSP überarbeitet: Der neue Ausstieg für Wartungszwecke verfügt über eine gedämmte Einstiegsleiter und eine elektromotorisch zu öffnende Kuppel mit einer Hubhöhe von 25 cm. Gerade bei Holzbau-Aufstockungen auf Bestandsgebäuden ist dieser Ausstieg eine praxisnahe Lösung, um nachträgliche Brandschutzvorgaben zu erfüllen, ohne schwere Metalltreppen ins Dachgeschoss einbauen zu müssen.
Fazit für die Praxis
Velux bleibt für Innenausbauer und Zimmerer ein verlässlicher Partner, wenn es um die Erschließung von Dachräumen mit natürlichem Licht geht. Die Produktpalette deckt sowohl Standard-Sanierungen als auch anspruchsvolle Neubauten im Passivhaus-Standard ab. Wer Wert auf zentrale Steuerung, langfristige Ersatzteilversorgung und ein breites Zubehörsortiment legt, findet bei Velux ein geschlossenes System. Im direkten Vergleich zu Roto und Schüco liegt der Vorteil vor allem in der Integra-Plattform und der internationalen Servicestruktur – ein Argument, das bei größeren Objekten mit mehrjähriger Gewährleistungsphase entscheidend sein kann.

